Familie Richter
war für eine Woche im Skiurlaub und nun mit dem Auto auf dem Rückweg. Es war
ein sehr schöner Urlaub, so dass im Auto eine ausgelassene Stimmung herrschte.
Sogar die beiden Kinder, Sohn Mark und die Tochter Annika beide in der
Pubertät, hatten sich diesmal kaum gestritten. Sie hatten die Koffer im
Kofferraum des Hotels abgestellt da sie das Zimmer bis zehn Uhr räumen mussten
und hatten noch eine letzte Abfahrt gemacht, bevor sie losfuhren.
Als sie die
Autobahn verließen, um das letzte Stück bis nach Hause zu fahren war es bereits
dunkel. Alle hassten dieses Stück, denn es ging noch gut dreißig Minuten über
die Landstraßen und durch kleinere Dörfer, bevor sie endlich ihr Haus
erreichten. Nebel legte sich über die Felder und die Straße und Maik hatte den
Eindruck, dass er immer dichter wurde. Er schaltete die Nebelscheinwerfer ein
und reduzierte das Tempo. Dann tauchten aus dem nichts zwei Lichter vor ihnen
auf und noch bevor sie blinzeln konnten, krachte es auch schon. Der Lkw rammte
den Wagen von der Seite und schleuderte ihn von der Fahrbahn über den
Seitenstreifen in einen Baum am Feldrand.
Maik musste
kurz bewusstlos gewesen sein, denn als er die Augen öffnete und die Schmerzen
in seinem Körper fühlte löste sich ein Schatten aus dem Nebel und ein Notarzt
tauchte auf.
>>Bleiben
sie ruhig, Hilfe ist unterwegs.<< sagte der Arzt. Er beugte sich durch
das kaputte Fenster ins Auto und blickte sich um. >>Ich helfe erst einmal
ihrer Frau, sie ist schwer verletzt.<< Er ging um das Auto. Maik
schüttelte leicht den Kopf, um die Benommenheit zu vertreiben. Noch im selben
Moment bereute er es, als Schmerzen durch seinen Nacken und seinen Rücken hinab
rauschten. Die Beifahrertüre öffnete sich und Maik blickte in das blutende
Gesicht seiner Frau und das des Notarztes.
>>Was ist
mit meinen Kindern?<< fragte Maik. Wie bestellt hörte er leise stöhn
Geräusche von der Rückbank.
>>Denen
geht es soweit ich es beurteilen kann ganz gut.<< der Notarzt hob Nadine
aus dem Fahrzeug. Er legte sie so neben das Fahrzeug das Maik nicht sehen
konnte was los war.
>>Was ist
mit meiner Frau?<< Maik spürte leichte Panik in sich aufsteigen und
versuchte den Gurt zu lösen. Seine Finger fühlten sich ziemlich kraftlos an.
>>Ganz
ruhig die wird wieder. Bleiben sie sitzen, wenn sie stürzen und sich verletzen
dann kann ich mich nicht auf ihre Frau konzentrieren und muss zwei Leuten
helfen.<< sprach der Notarzt in ruhigem Ton und Maik hatte das Bedürfnis
dieser Anweisung Folge zu leisten. Nach einer gefühlten Ewigkeit tauchte der
Arzt wieder auf und holte zuerst Annika aus dem Auto, untersuchte sie kurz und
danach Mark und untersuchte ihn auch. Er hatte sie beide an das Auto gelehnt
und sprach ganz ruhig zu ihnen.
>>Ihr
seid beide mehr oder weniger Ok. Ihr habt Glück gehabt, aber bleibt bitte ruhig
sitzen ihr habt beide eine Gehirnerschütterung.<< gab er den Kindern zu
verstehen.
>>Wer
sind sie?<< fragte Annika.
>>Ich
heiße Bernd und bin Notarzt und jetzt schaue ich nach eurem Vater.<<
sagte er und ging zur Fahrertüre die durch den Unfall nach innen gedrückt und
verkeilt war.
>>Ich
bekomme sie nur aus dem Auto wenn ich das Risiko eingehe sie zu verletzen und
dafür sehe ich gerade keinen Grund. Bleiben sie einfach sitzen und wir warten
auf die Feuerwehr.<< Er lehnte sich an das Fahrzeug und erzählte ein
wenig, wahrscheinlich um sie abzulenken und es funktionierte. Als aus der Ferne
weitere Sirenen zu hören waren, richtete er sich auf und ging in den Nebel.
>>Ich
muss jetzt los, aber meine Kollegen sind gleich für sie da.<< sagte der
Schemenhafte umriss im Nebel.
>>Nein,
bitte gehen sie nicht. Sie können uns doch nicht hilflos hier zurück
lassen.<< rief Maik dem Umriss hinterher.
>>Keine
Angst sie sind gleich hier<< hörte er die Stimme leise, übertönt von den
nahenden Sirenen.
Nur eine Minute
später blitzte der Nebel blau auf und der Wagen war umringt von
Rettungskräften. Sie wurden der Reihe nach Untersucht und er hörte einen der
Sanitäter sagen das die Frau dringend ins Krankenhaus müsse. Die punktierte
Lunge sei zwar versorgt, aber sie müsse in den OP. Maik sah zu wie als erstes
seine Frau und danach seine Kinder zu den beiden Rettungswagen getragen wurden.
Wobei seine Frau getragen wurde und die Kinder gestützt.
>>Ich
will mit.<< Maik zerrte an dem klemmenden Gurt.
>>Bitte
bleiben sie ruhig. Die beiden Rettungswagen sind voll. Ein dritter ist bereits
unterwegs. Wir bringen sie gleich zu ihrer Familie.<< Der Feuerwehrmann
legte eine schwere Decke vor Maiks Körper. >>Wir öffnen jetzt die Türe.
Bitte bleiben sie ruhig hinter der Decke während wir die Türe
aufschneiden.<<
Als die
Feuerwehrleute ihn aus dem Fahrzeug befreit hatten waren die beiden
Krankenwagen bereits weg und Maik hörte in der Ferne die Sirenen. Die
Feuerwehrleute hoben ihn aus dem Fahrzeug und ein Schmerz ging durch Maiks
Körper, so stark, dass er ihn erneut Ohnmächtig werden ließ.
Maik erwachte
im Krankenhaus. Sein Mud war trocken und er drehte langsam den Kopf.
>>Oma,
Opa kommt her. Papa ist aufgewacht.<< hörte er Annika rufen.
Er drehte den
Kopf in die andere Richtung und da saß sie. >>Alles in Ordnung mit
dir?<<
>>Ja, nur
eine leichte Gehirnerschütterung und ein paar Prellungen.<< die Türe
wurde aufgestoßen und Maiks Eltern kamen herein, hinter ihnen Mark.
>>Durst.<<
sagte Maik leise. Annika half ihm beim Trinken aus dem Becher.
Es vergingen
noch ein paar Tage bis auch Maik wieder aufstehen durfte.
Er ging zur
Rezeption und fragte nach dem Notarzt der ihnen so schnell geholfen hatte und
ob er ihn sprechen könne um sich zu bedanken.
>>Klar
der ist gerade da. Einen Moment ich rufe ihn.<< die Schwester griff zum
Telefon und nach ein paar Minuten tauchte ein Arzt auf.
>>Hallo.
Die Schwester sagte sie wollen mich sprechen.<< sagte der Arzt.
Maik blickte
ihn verwirrt an. >>Sie sind nicht der Arzt der uns am Unfallort versorgt
hat.<<
>>Doch,
der bin ich. Dr. Sebastian Schuster.<< antwortete er.
>>Nein,
der hieß Bernd.<< Er war als erstes vor Ort. Die Schwester und Dr.
Schuster warfen sich ein Blick zu.
>>Lassen
sie uns dort drüben Platz nehmen ich muss ihnen eine Geschichte
erzählen.<< sagte der Arzt und Maik folgte ihm zu den Stühlen.
Er erzählte ihm
von einem Arzt, Bernd Stein, der bei einem Verkehrsunfall den Sanitätern half.
Ein kleines Kind hatte sich vom Unfallort entfernt und war auf die Landstraße
gelaufen. Dr. Stein war auf die Straße gesprungen und hatte das Kind von der
Fahrbahn gestoßen. Dem Kind war bis auf einen Schrecken nichts passiert, Dr.
Stein wurde von dem herannahenden Auto erfasst und war sofort tot. Seit diesem
tragischen Unglück vor vier Jahren berichten immer wieder Unfallopfer von Dr.
Stein. Er wird immer mal wieder an Unfallstellen gesehen und hilft den Menschen
vor Ort, bevor die Rettungskräfte eintreffen.
Ohne seine Hilfe wären sie wahrscheinlich Tod.
Maik schüttelte
ungläubig den Kopf. >>Ich glaube nicht an Geister.<<
>>Kommen
sie mit.<< der Arzt stand auf und ging mit Maik den Gang hinunter zum
Fahrstuhl und sie fuhren hinab zur Notaufnahme. Er zeigte mit dem Finger auf
einen gerahmten Zeitungartikel an der Wand und noch einige andere daneben.
>>Achten sie auf das Datum.<<
Der in der
Mitte war der Bericht über den Unfall des Arztes. Und die anderen handelten von
Berichten, in denen der tote Arzt geholfen hatte. Die ersten stellten die Opfer
als verwirrt dar, doch die späteren sprachen vom Wunder des Geisterdoktors.
Maik rieb sich mit beiden Händen über das Gesicht, blickte wieder auf die
Artikel und dann zu dem Arzt. Er schüttelte den Kopf. Wie war das möglich? Er
ging in die Krankenhauskapelle zündete eine Kerze an und kniete nieder. Seit
über zwanzig Jahren betete er das erste Mal wieder.
Herr, ich
habe schon lange nicht mehr gebetet. Danke das du mir einen Engel geschickt und
meine Frau gerettet hast.
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