Meerwölfe

Weiße Rose 2025 (Remember Hans und Sophie Scholl, hingerichtet am 22. Februar 1943)

  Weiße Rose 2025   In Gedenken an eine vergangene Zeit, in der der Hass und der Angst regierte. Keine Chance dem Hass und der Angst...

Montag, 29. Juni 2020

Finsterwald


Ich will euch eine Geschichte erzählen von einer Zeit der Piraten und Strandräuber und was sich in diesem Wald zugetragen hat.

Es war eine stürmischer Wintertag. Die Sonne ging unter, bald würde man die Hand vor Augen nicht mehr sehen. Weit draußen vor der Küste, kamen weiße Segel näher. Durch das Fernrohr konnte man sehen, wie das Schiff auf der aufgepeitschten See tanzte. Es würde, da es gegen den Wind kreuzen musste, das Land nicht mehr vor Sonnenuntergang erreichen. Die Sicht bei dem Regen, dem Sturm, der Gischt in der Luft und der Dunkelheit der Nacht würde nur wenige hundert Meter sein. Die Menschen auf der Insel hatten ein paar schwere Jahre hinter sich. Eine Sturmflut, die das Land verwüstete und Häuser und Boote zerstörte. Der Fischfang kam zum Erliegen, die Ernte fiel aus und der König verlangte weiterhin den Zehnt. Armut hatte sich über die Insel gelegt und die Menschen hungerten. So entstand der Plan, ein Schiff aufzubringen, und der Tag heute war ideal.
Nur eine Stunde später, die Nacht war rabenschwarz, entzündeten sie das falsche Feuer. In sicherer Entfernung zum Ufer beobachteten sie, wie die Wellen das Schiff auf das Ufer warfen. Balken ächzten und knacken. Das Hauptsegel fiel unter dem Geräusch von berstendem Holz um wie ein Streichholz, welches man zwischen den Fingern bricht. Die Besatzung schrie laut um Hilfe, bis das Meer sie holte. Die Männer der Insel drehten sich zufrieden um und gingen nach Hause. Morgen, wenn der Sturm sich gelegt hätte, würden sie sich ihre Beute holen.
Am nächsten Morgen, die Sonne erhellte langsam den Himmel, zogen sie los. Auf der Düne hielten sie inne. Kein Schiff, keine Beute, hinter dem Wald spiegelte sich nur der Schein der aufgehenden Sonne im Meer. Wald? Gestern war hier noch kein Wald. Die Männer gingen langsam von der Düne herunter und in den Wald hinein. Licht und Schatten malten unheimliche Bilder auf den Boden. Auf einer Lichtung sahen sie viele hölzerne Truhen und Fässer stehen und liegen. Die Gier erwachte. Sie rannten los, stemmten die Truhen und Fässer auf. Sie waren reich. In den Truhen Gold und Edelsteine, in den Fässern Seide und Gewürze. Sie schauten auf, als sie eine Stimme hörten, wie ein Echo in einer Höhle das von allen Seiten wiederhallte.
>> Ihr habt Unrecht getan. Ihr habt uns arme Seelen dem Meer und den Wellen geopfert, nur um euch zu bereichern. Euer Wunsch wird sich erfüllen und der Schatz auf ewig euer sein. <<
Die Männer wurden kreidebleich und ihre Haare schlagartig weiß. Sie waren umringt von durchscheinenden Gestalten, die auf sie schimpften und sie tadelten. Sie wollten weglaufen, doch ihre Beine gehorchten ihnen nicht. Sie blickten an sich herab. Ihre Füße bildeten große ausladende Wurzeln, Beine und Körper wurden langsam zu einem hölzernen Stamm. Die Arme wurden zu einem schützenden Geäst. Als letztes wuchs der Kopf hölzern in die Höhe und schloss das Blätterdach.

Wenn ihr heute durch diesen Wald geht, dann hört genau hin. Ihr könnt die Männer klagen hören, dem Schicksal, welches sie selbst beschworen.


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