Er spürte den Wolf schon sehr lange in sich.
Ein Leben ohne ihn nur schwer vorstellbar.
Der Wolf warnte ihn bei Gefahr oder ließ ihn, als er jünger war, in so mancher Vollmondnacht durch die Wälder laufen. Dann meldete er sich auch lange Zeit überhaupt nicht, um ihn dann wieder mit starken animalischen Gefühlen zu überschwemmen.
Eines Tages machten der Wolf und der Mann, in dem er wohnte, Urlaub am Meer. Die Kraft und beruhigende Wirkung des Wasser bannte ihn. Auch Wälder gab es hier, nicht so groß wie die wo er wohnte, doch es reichte. Jeder Urlaub am Meer zog den Wolf tiefer in den Bann, bis er irgendwann gar nicht mehr gehen wollte.
Da sprach das Meer zu ihm >> Wolf du gehörst hier nicht hin. Deine Heimat sind die Wälder. Außerdem wartet dein Rudel dort auf dich.<<
Der Mann, in dem der Wolf wohnte, spürte diese Unterhaltung nur durch Emotionen und Bilder in seinem Kopf. Er sah die großen Wälder und seine Familie. Sehnsucht erwachte in ihm.
>>Mutter Meer, hier aber fühle ich mich wohl. Viel wohler als in den großen Wäldern und den Schluchten der großen Stadt. Dort bin ich eingesperrt, hier bin ich frei.<<
Das Meer dachte nach. Die Wellen brandeten sanft an den Strand.
>> Nun vielleicht bist du ja ein Seewolf. Komme mich besuchen, wann immer du kannst, und lasse uns zusammen reden und philosophieren. Wenn die Zeit gekommen ist, dann kannst du vielleicht auch hier wohnen.<<
Der Wolf dachte nach. Er fuhr nach Hause, lebte bei seiner Familie, und kam jedes Jahr wieder ans Meer. Viele Jahre später hatte er es endlich geschafft. Er hatte ein Haus an seinem geliebten Meer gekauft und wohnte mit seiner Frau dort. Die Freude in der ersten Nacht war groß. Der Wolf stürmte mit seinem Menschen in die Fluten und das Meer umfing ihn wie ein samtenes Federbett. Die Magie des Meeres verband sich mit der des Wolfes und so vergingen die Jahre. Tagsüber schrieb der Mann Geschichten und Gedichte und in der Nacht spielte der Wolf in den Wellen.
Als der Mann dann alt und seine Zeit gekommen war, ging er mit dem Wolf ans Meer.
>> Dieses wird mein letzter Besuch sein, alter Freund. Ich bin alt und spüre, dass meine Zeit gekommen ist, diese Welt zu verlassen.<<
Da grollte das Meer gegen das Ufer, denn es war ewig und der Freund sollte auch ewig sein.
>> Zieh deine Kleidung aus und komm zu mir. Du sollst für alle Ewigkeit in mir weiter leben.<<
Der Mann folgte dem Ruf des Meeres, zog seine Kleidung aus und ging ins Meer. Sein Kopf verschwand und er ward nie wieder gesehen.
Aber in den Vollmondnächten könnt ihr bei Ebbe manchmal einen Wolf heulen hören und wenn ihr genau hinseht, dann könnt ihr weit draußen auf den Sandbänken einen Wolf herumtollen und springen sehen.
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